Ausstellung «Seelenlandschaften. C. G. Jung und die Entdeckung der Psyche in der Schweiz» im Schweizerischen Landesmuseum Zürich (17.10.2025 bis 15.02.2026)
Die Medizinische Sammlung der Universität Zürich ist Leihgeberin für die Ausstellung «Seelenlandschaften. C. G. Jung und die Entdeckung der Psyche in der Schweiz» im Schweizerischen Landesmuseum Zürich (17.10.2025 bis 15.02.2026).
Leihgaben
| Objekt | Beschreibung | Material | Zeitraum | Kategorie |
|---|---|---|---|---|
|
MHSZ 13021
|
Phrenologische Studienbüste nach Huter | Stein, gefasster Gips | frühes 20. Jahrhundert | Psychologie und Psychiatrie |
| MHSZ 11596 | Zwangsjacke mit geschlossenen Ärmeln | Textil, Leder, Metall | 19. Jahrhundert | Psychologie und Psychiatrie |
| MHSZ 15687 | Kinderzwangsjacke bzw. Zwangsanzug für Kinder (Muster) | Textil, Metall | 19. Jahrhundert | Psychologie und Psychiatrie |
| MHSZ 13197 | Gemälde von G. Zellweger, Psychiatriepatientin in Zwangsjacke | 1883 | ||
| MHSZ 14230 | Onaniebandage für Knaben | Leder, Metall, Textil | spätes 19. Jahrhundert | Psychologie und Psychiatrie |
| MHSZ 20236 | Urethralring/Pollutionsring | Metall | k. A. | Psychologie und Psychiatrie |
| MHSZ 10873 | Zeichnung von Adolf Wölfli | Papier, Bleistift, Farbstift | 1895 bis 1930 | Psychologie und Psychiatrie |
| MHSZ 20316 | Zeichnung von Adolf Wölfli | Papier, Bleistift, Farbstift | 1895 bis 1930 | Psychologie und Psychiatrie |
| MHSZ 1621 | Badewannendeckel | Holz, Metall | k. A. | Psychologie und Psychiatrie |
| MHSZ 8723 | Spiegelgalvanometer nach Depréz und d'Arsonval mit Zubehör | Holz, Metall, Glas, Samt | frühes 20. Jahrhundert | Psychologie und Psychiatrie |
Das Spiegelgalvanometer und die Vermessung der Seele
Das Spiegelgalvanometer
Das Spiegelgalvanometer nach D'Arsonval und Deprez (MHSZ 8723).
Das 1882 von Jacques-Arsène d’Arsonval und Marcel Deprez entwickelte Spiegelgalvanometer ist ein hochempfindliches Messinstrument zur Erfassung kleinster elektrischer Ströme. Das Grundprinzip des Geräts beruht auf der Umwandlung von Strom in eine mechanische Drehbewegung. Fließt Strom durch die Spule, entsteht ein Magnetfeld, das mit einem fest montierten Magneten interagiert. Dadurch beginnt sich die Spule proportional zur Stromstärke zu drehen. An der Spule ist ein kleiner Spiegel befestigt, sodass jede Bewegung direkt auf diesen übertragen wird.
Eine gegenüberliegende Lichtquelle richtet einen Strahl auf den Spiegel, der das Licht auf eine Messskala reflektiert. Durch diese optische Verstärkung werden selbst minimale Drehungen der Spule wahrnehmbar. Bereits äußerst schwache Ströme führen zu deutlich erkennbaren Ausschlägen des Lichtpunkts auf der Skala.
Vom Vermessen der Gefühle
Das heute in der Medizinischen Sammlung der Universität Zürich erhaltene Exemplar wurde in der Pariser Werkstatt von Jules Carpentier gefertigt und befand sich im Besitz von Carl Gustav Jung (1875–1961), dem Begründer der Analytischen Psychologie.
Während seiner Zeit an der psychiatrischen Klinik Burghölzli in Zürich nutzte Jung das Spiegelgalvanometer für seine Assoziationsstudien. Dabei stützte er sich auf die Beobachtungen des Ingenieurs Eugen Konrad Müller, Gründer des „Elektrotherapeutischen Instituts” in Zürich, sowie des Neurologen Otto Veraguth. Diese hatten gezeigt, dass die Ausschläge des Galvanometers nicht durch den Strom selbst ausgelöst wurden, sondern Rückschlüsse auf zuvor gesetzte emotionale Reize zuließen. Auf dieser Grundlage untersuchte Jung die Zusammenhänge zwischen verbalen Reizen, physiologischen Reaktionen und unbewussten Inhalten. Die sogenannten „psychischen Gefühlstöne” sollten empirisch erfassbar werden.
Die Versuchsanordnung: Licht auf das Unbewusste
Die Versuchsperson wurde in den Kreis eines schwachen galvanischen Stroms eingeschaltet. Ihre Hände lagen auf metallenen Auflagen, beschwert durch mit Bleichschrot befüllte Leinensäckchen, um unwillkürliche Bewegungen zu verhindern. Das hochsensible Instrument war durch eine Glasglocke vor Luftströmungen geschützt und stand auf einer schwingungsisolierten Unterlage.
Reiz- oder Assoziationswörter riefen minimale elektrische Veränderungen des Hautwiderstands hervor. Diese wurden mittels des Spiegelgalvanometers registriert und als wandernde Lichtpunkte auf einer Messskala angezeigt. An der Skala war ein Schieber angebracht, den Jung manuell entlang der Lichtspur bewegte. Die Bewegungen übertrugen sich auf einen Ergographen und von dort weiter auf eine Kymographentrommel, wo eine Schreibspitze sie in kontinuierliche Linienzüge verwandelte (siehe Skizze). In dieser Kette von Übersetzungen – vom physiologischen Impuls über den elektrischen Strom und das Magnetfeld zum Lichtreflex und schließlich zur aufgezeichneten Kurve – wurden unbewusste Reaktionen in eine dauerhafte materielle Spur überführt. So trat das Unbewusste in eine Ordnung des Sichtbaren und Messbaren ein.

- Darstellung des Versuchsaufbaus
Historische Skizze zum Aufbau und zur Funktionsweise des Spiegelgalvanometers
