Aus zwei mach eins, aus eins mach zwei – Webers «geteilte» Tragbahre

Abb.1
Abb. 1: Tragbahre, zusammengesetzt, Inventarnummer 17333.

© Institut für Evolutionäre Medizin

Abb. 2
Abb. 2: Tragbahre, beide Einzelteile zusammengerollt, Inventranummer 17333.

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Zweiteilig und zusammenrollbar

Das Objekt besteht aus 2 Teilen. Diese beiden Teile können als Einzelteile zusammengerollt werden – und wenn man sie zusammensetzt, erhält man eine Tragbahre (Vgl. Abb. 1 und 2). Jedes Einzelteil besteht aus zwei Holmen, zwei Lederriemen-Gurten mit Dornverschluss1, einer Tragetuchfläche und einem aufklappbaren Fusselement2 (Vgl. Abb. 3).

Zusätzlich sind am unteren Ende zwei Hakengelenke und zwei kleinere Scharniere3 angebracht (Vgl. Abb. 4). Ausserdem vorhanden ist ein Gurt, der mit je einer Schlaufe an den beiden Enden versehen ist. Die beiden Schlaufen können an beiden Handgelenken des Trägers der Bahre angebracht werden und dienen somit als zusätzliche Stütze beim Tragen der Bahre.

 

1: Zur Befestigung, wenn man das Einzelteil zusammenrollt.
2: Wird mittels eines Scharniers befestigt.
3: Verbindungselement, um die zwei Einzelteile miteinander zu verbinden und zu befestigen.
Daraus ergibt sich dann die Tragbahre.

Abb. 3
Abb. 3: Tragbahre, aufklappbare Fusselemente, Inventarnummer 17333.

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Abb. 4
Abb. 4: Tragbahre, Verbindungselement der beiden Einzelteile, Inventarnummer 17333.

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Ernst Weber (1866-1930) und der Stockschirm «Protector»

Ernst Weber wurde am 31. Dezember 1866 geboren. Er war der älteste Sohn von Karl Weber-Unholz, welcher 1861 von Reigoldswil nach Riehen gezogen war und in Riehen 1862 sein Geschäft an der Baselstrasse 464 eröffnet hat. Ernst Weber absolvierte eine Lehre in einem Basler Exporthaus und hielt sich einige Jahre in Hamburg auf. Er kehrte dann aber wieder nach Riehen zurück.

Am 8. November 1893 gründete Ernst Weber zusammen mit seinem Vater Karl Weber-Unholz die Firma «E. Weber & Co.» an der Baselstrasse in Riehen.5 Die Firma produzierte unter anderem einen Stockschirm namens «Protector»6, einen Vorläufer des heutigen faltbaren Regenschirms der Marke Knirps7. In einem Beiblatt von 1895 wird der «Protector» als «hübscher, normaler Spazierstock, der in einer Minute in einen soliden Regen- oder Sonnenschirm umgewandelt werden kann»8 angepriesen. Die Firma änderte ihren Namen später in «E. Weber & Cie.» um.
Am 24. Oktober 1900 wurde die Aktiengesellschaft «Industrieactiengesellschaft Riehen» am Weilweg 225 in Riehen gegründet, welche die Firma «E. Weber & Cie.» übernahm.9 Der Direktor der Firma war Ernst Weber. Bereits 1902 ging die Firma aber in Konkurs.10

 

4: Heute befindet sich dort das Wenk Haushalt Center.
5: Schweizerisches Handelsamtsblatt, Heft Nr. 238, Bern, Dienstag 14. November 1893, XI. Jahrgang, Seite 967.
6: Am 24. März 1890 reichen Ernst Weber und J. H. Rief aus Hamburg-Barmbeck für den Stockschirm die Patentschrift Nr. 2003 beim Eidgenössischen Amt für Geistiges Eigentum ein.
7: Firmengeschichte der Firma Knirps: https://knirps.de/geschichte.
8: Beiblatt der Fliegenden Blätter, Nr. 2630 (26), Fünftes Blatt, München, den 22. Dezember 1895, 103. Band.

9: Schweizerisches Handelsamtsblatt, Heft Nr. 355, Bern, Freitag 26. Oktober 1900, XVIII. Jahrgang, Seite 1423.
10: Schweizerisches Handelsamtsblatt, Heft Nr. 283, Bern, Samstag 26. Juli 1902, XX. Jahrgang, Seite 1129.

Abb. 5
Abb. 5: Patentschrift Nr. 33040, Ordiginaldokument, Titelseite.

Ernst Weber (1866-1930), seine Ehefrau Fanny Weber-Stierlin und die Patentschrift Nr. 33040

Am 24. März 1905 wurde die Patentschrift Nr. 33040 für die zweiteilige zusammenlegbare Tragbahre beim Eidgenössischen Amt für Geistiges Eigentum eingereicht. Interessant ist der Umstand, dass das Patent nicht von Ernst Weber eingereicht wurde, wie man es vermuten würde, sondern von seiner Ehefrau Bertha Fanny Weber-Stierlin (Vgl. Abb. 5), mit welcher Ernst Weber seit dem 30. September 1897 verheiratet war. Aus der gemeinsamen Ehe gingen zwei Kinder hervor11. Weshalb das Patent von Fanny Weber-Stierlin eingereicht wurde, ist nicht bekannt. Es kann aber vermutet werden, dass dies mit den finanziellen Schwierigkeiten von Ernst Weber zu tun hatte und man dadurch verhindern wollte, dass das Patent Bestandteil einer Konkursmasse wurde.

Kurz nach dem Erhalt des Patents wurde dieses aber von Fanny  Weber-Stierlin an die «Samaritana-Gesellschaft für Verwertung der Weber’schen Tragbahre» übertragen, wie aus dem Schweizerischen Handelsamtsblatt vom 29. November 1905 ersichtlich wird: «Kl. 104, Nr. 33040. 24. März 1905, 8 Uhr p. – Zweiteilige zusammenlegbare Tragbahre. – Fanny Weber-Stierlin, Zürich (Schweiz). […] Uebertragung laut Erklärung vom 20. Oktober 1905, zugunsten von Samaritana-Gesellschaft für Verwertung der Weber’schen Tragbahre, Bahnhofstrasse 23, Zürich (Schweiz). […] registriert den 4. November 1905.»12.

 

11: Tochter Ida (1898-1951) und Sohn Hans Albert (1901-1961).
12: Schweizerisches Handelsamtsblatt, Heft Nr. 465, Bern, Mittwoch 29. November 1905, XXIII. Jahrgang, Seite 1859.

Abb. 6
Abb. 6: 2 Sanitätssoldaten tragen Weber's geteilte Tragbahre auf dem Marsche.

© Geschäfts-Berichte Hausmann, XII. Jahrgang, 1906, Seite 79

Von der «zusammenlegbaren Tragbahre» zur «Zweiteiligen, zusammenlegbaren Tragbahre»

Unsere zweiteilige zusammenlegbare Tragbahre hatte einen Vorgänger, welcher am 7. August 1900 als Patentschrift Nr. 20886 von Ernst Weber-Stierlin und Carl Moll-Pfister aus Lörrach als «Zusammenlegbahre Tragbahre» beim Eidgenössischen Amt für Geistiges Eigentum eingereicht wurde. Im Gegensatz zur zweiteiligen zusammenlegbaren Tragbahre bestand diese nur aus einem Teil, welches aber auch zusammengelegt werden konnte. Sie konnte also bereits einigermassen bequem transportiert werden. Noch bequemer und einfacher ging es dann aber mit der zweiteiligen, zusammenlegbaren Tragbahre, wie die beiden nachfolgenden Abbildungen (Abb. 6 und 7) schön veranschaulichen.

Abb. 7
Abb. 7: Vorderseite der Bundesfeierkarte 1937 zugunsten des Schweizerischen Roten Kreuzes, zeigt einen Sanitätssoldaten mit Sanitätshund, Weber's geteilte Tragbahre und Sanitätstasche.

© extern

Abb. 8
Abb. 8: Fig. 80 zeigt die Tragbahre Modell Weber 1927.

© Lehrbuch Sanitätsmannschaft, 20. Auflage, 1928, Seite 318

Schweizer Armee als Hauptabnehmer

Der grosse Hauptabnehmer der zweiteiligen zusammenlegbaren Tragbahre13 war die Schweizer Armee, insbesondere die Sanitätstruppen. Ab 1908 wurde die Schweizer Armee mit der Tragbahre Modell Weber beliefert, bis 1927 mit dem alten Modell Weber, also dem identischen Modell wie unser Objekt mit der Inventarnummer 17333. Ab 1927 war das neuere Modell Weber 1927 (Vgl. Abb. 8) mit vereinfachter Querverstrebung und Füssen sowie einem Schliessring gefragt. Die beiden Vorteile gegenüber dem alten Modell Weber waren das geringere Gewicht sowie die höhere Festigkeit der Bahre.

Aber auch das alte Modell Weber war keineswegs schlecht und wurde sogar in verschiedenen Katalogen gelobt. Im Katalog der M. Schaerer AG von 190814 hiess es: «Riehener Tragbahre, Modell Weber, besonders geeignet für Sanitätstruppen, Samaritervereine, Feuerwehren, alpine Rettungsaktionen, besonders empfohlen vom S.A.C., ganz komplett inkl. Gurten und Sach»15. Und im Katalog der Hausmann AG16 wurde sie wie folgt angepriesen: «Tragbahre, Webers geteilte. Modell der Eidgenossenschaft. Für Transporte im Gebirge ganz besonders geeignet. Der Vorzug dieser soliden und einfach gearbeiteten Bahre besteht in der Teilbarkeit in 2 Hälften, wodurch das Gewicht für den einzelnen Träger bedeutend vermindert wird.»17.

Neben der Tragbahre Modell Weber war auch die Bahre System Jeannin (Vgl. Abb. 9) bei der Schweizer Armee in Gebrauch. Diese Bahre war ebenfalls zweiteilig, jedoch waren die Tragstangen durch Scharniere untrennbar miteinander verbunden, während das Tuch in der Mitte quer geteilt war.

 

13: Andere Bezeichnungen für die Tragbahre lauteten: «Weberbahre», «Webers geteilte», «Zweiteilige Ordonnanz-Krankentragbahre der eidgenössischen Sanitätstruppen - System Weber», «Riehener Tragbahre, Modell Weber», «Bahre System Weber» oder «Ordonanztragbahre».
14: M. Schaerer AG: Illustrierter Katalog über Artikel zur Krankenpflege, Eigenverlag, 1908.
15: Ebenda, Seite 15.
16: Hausmann AG: Illustrierter Katalog Artikel für Kranken- & Gesundheitspflege, Eigenverlag, 1912.
17: Ebenda, Seite 134.

Abb. 9
Abb. 9: Tragbahre System Jeannin.

© Lehrbuch Sanitätsmannschaft, 20. Auflage, 1928, Seite 320

Schenkung vom Samariterverein Baden (Aargau)

Die Tragbahre wurde unserer Sammlung im Jahr 2018 vom Samariterverein Baden geschenkt. Grund der Schenkung war der Umzug des Samaritervereins in ein neues Lokal und die Räumung des alten Standorts im ehemaligen Bezirksschulhaus Burghalde. Neben dieser Tragbahre waren weitere Objekte Teil der Schenkung (Inventarnummer 17325-17335. Vgl. Abb. 10 und 11). Bei den Objekten handelt es sich um Bestandteile des alten Krankenmobiliarmagazins (Medizinisches Gerätedepot) des Samaritervereins Baden.

Der Samariterverein Baden wurde 1897 gegründet. Zwischen 1897 und 1987 führte der Verein ein Krankenmobiliarmagazin, welches ab 1997 durch das Regionale Pflegezentrum  Baden geführt wurde. Zwischen 1909 und 1912 war der Samariterverein Baden «Vorort» des Schweizerischen Samariterbundes und damit verantwortlich für die gesamtschweizerische Geschäftsführung. 1957 wurden wegen der  Grippe-Epidemie während drei Wochen 100 Patienten im Brisgi-Areal18 in Baden gepflegt. Ab 1965 führte der Verein regelmässig Nothilfekure für Autofahrer durch. Ab 1970 wurden auch regelmässige Aus- und Weiterbildungen von Firmenmitarbeitern in Erster Hilfe durchgeführt. Zwischen 1970 und Juli 2018 befand sich das Vereinslokal im Bezirksschulhaus Burghalde.19 2013 wurde die Alarmgruppe des Vereins in die Feuerwehr Baden integriert.

 

18: In diesem Areal stand die Barackensiedlung für die männlichen Gastarbeiter des Schweizer Elektrotechnikkonzerns Brown, Boveri & Cie. (BBC), welche 1891 durch Charles Eugen Lancelot Brown und Walter Boveri gegründet wurde.
19:
Im August 2018 erfolgte der Baubeginn des Projekts Schule Burghalde Sekundarstufe I. Der Bezug erfolgt im Sommer 2021. Weitere Informationen hier.

Abb. 10
Abb. 10: Schenkung vom Samariterverein Baden, Inventarnummern 17326-17335.

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Abb. 11
Abb. 11: Schenkung vom Samariterverein Baden, Inventarnummer 17325 (Lehrtafel mit Modellen verschiedener Knotenarten).

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